50 JAHRE WALDBÜHNE BENNECKENSTEIN

Ganze fünf Jahre nach dem Krieg [1952, Anm.d.Red.], in Zeiten des Neubeginns, der Selbstfindung, des permanenten Mangels, der Entbehrungen und Zuteilungen, beschlossen die neuen Männer im Benneckensteiner Rathaus, eine Waldbühne zu erbauen.

In diesem Sommer [2002, Anm.d.Red.] feiert die Stadt nun das 50jährige Bestehen ihrer Waldbühne mit einem Festprogramm. Geplant sind vier Aufführungen an den Wochenenden im Juli und August. Insgesamt 10.000 Euro müssen für Künstlergagen, Aufstellen einer provisorischen Bühnenüberdachung u. a. aufgebracht werden.

Deshalb hat sich der Bür­germeister rechtzeitig mit einem Spendenaufruf an die Benneckensteiner Gewerbetreibenden und Vereinsvorsitzenden gewandt. Nur mit dem Aufbringen eines Eigenanteils besteht für die Stadt die Möglichkeit auch eine Förderung aus Landesmitteln ihr sommerliches Kulturprojekt zu erhalten. Dafür werden sich die Eintrittspreise, wie aus der Kurverwaltung zu erfahren war, in sehr erschwinglichem Rahmen halten.

Die Benneckensteiner wird es freuen, dass ihre schöne Waldbühne endlich einmal auch außerhalb des alljährlichen Finken­manövers genutzt wird. Veranstaltungen waren in der Vergangenheit selten: meist wurden sie durch schlechtes Wetter vereitelt.

Bleibt letztlich zu hoffen, dass die Benneckensteiner und ihre Gäste zahlreich die kulturellen Angebote im „Naturtheater“ wahrnehmen; das Wetter kann den Aufführungen ja nun erstmalig keinen Strich durch die Rechnung machen.

„Die Planung der Waldbühne in der Nähe des Café „Waldschlößchen“ war auch zur weiteren Programmgestaltung des alljährlich stattfindenden Finkenmanövers gedacht. Die Ausführung ließ sich jedoch nicht so einfach verwirklichen. Fehlende Arbeitskräfte und die Holzbeschaffung die Sitzplätze, das Garderobenhaus und Toiletten machten alle guten Vorsätze fast undurchführbar. Obwohl die Stadt 900 ha Wald mit einem stattlichen Baumbestand hatte, konnte sie über den Holzeinschlag nicht selbst verfügen. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich in den Weg stellten wurde der Plan nicht aufgegeben. Nachdem der Entwurf durch den pensionierten Stadtbaurat Boese aus Sorge erstellt wurde, kamen Zahlen über Materialien und Erdbewe­gungen auf den Tisch, und man fand dann auch den Weg, wie es weitergehen sollte. Herr Boese übernahm ohne Honorar auch die Bauleitung, und an einem freien Sonnabend machte die gesamte männliche Stadtverwaltung den Anfang. Bäume wurden gerodet, mit Muldenkipper auf verlegbaren Schienen die Erde abgetragen und zur Bühnenfläche aufgeschüttet. Andere Betriebe und Männer aus der Bürgerschaft folgten dem Beispiel der Gemeinschaftshilfe. Während die Erdarbeiten im vollen Gange waren, konnte auch das Problem der Holzbeschaffung gelöst werden. Über das „Wie“ in dieser Zeit wird heute nicht mehr gefragt.

Die Waldbühne wurde fertig und mit einer Tell-Aufführung des Stadttheaters Nordhausen eingeweiht. Es war an einem Sonntag, die Bühne war bis auf den letzten Platz besetzt. Während es früh sonnig war, verdichtete sich im Laufe des Tages der Himmel und es roch nach Regen. Die Veranstaltung begann, und viele Zuschauer hatten nun die Möglichkeit, erstmalig eine Aufführung zu erleben. Gespannt richteten sich die Blicke auf die Schauspieler und man lauschte dem Gesang und der Musik des Orchesters. Und als die Szene kam, in der es heißt: „Die ersten Tropfen fallen, “ fing es tatsächlich an zu reg­nen, so das leider die Aufführung abgebrochen werden musste. Ich erinnere mich aber gern an die Auf­führung des “ Zigeunerbarons“, als bei dem Duett „Wer uns getraut… der Dompfaff“… sogleich in den Wipfeln über uns ein Fink zu schlagen begann.

Zur Freude der Kurgäste und der Benneckensteiner folgten weitere Theateraufführungen und auch Konzerte, die leider durch die Wetterabhängigkeit nicht problemlos waren, denn es fehlte immer an einem entsprechend großen Saal für eine Ausweichmöglichkeit. In das Programm des Finkenmanövers würde die Aufführung des Vogelhändlers gut passen. Leider konnte der Wunsch durch technische Schwierigkeiten, hohe Kosten usw. nicht erfüllt werden.

Nun sind mehrere Jahrzehnte vergangen. Gemessen an den heutigen Verhältnissen mag all das, was sich damals abspielte, für diejenigen, die diese Zeit in Benneckenstein nicht miterlebten, belanglos und unbedeutend erscheinen.

Wenn man aber bedenkt, wie schwierig die Nachkriegszeit für die meisten von uns war, wo es oft an allem fehlte, Hemmnisse, Mißtrauen, ja auch Verantwortungsangst zum Leben gehörten, waren es allein für den Kurbetrieb echte Errungenschaften. Vielen Bürgern, die damals freiwillig mit Rat und Tat zur Verfügung standen, gebührt nicht nur heute, sondern immer ein herzliches Dankeschön!“

Helmut Kahlert+, (ehemaliger leitender Verwal­tungsangestellter FDGB)

Kohlrausch, Jürgen. „In schlechten Zeiten war Kultur lebensnotwendig – Vor 51 Jahren bauten sich die Benneckensteiner ihre Waldbühne“ (Benneckensteiner Seiten 13/2002, S.19).